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03.06.2019: Wie denkt Berlin über Arbeitszeiterfassung?

 

Arbeitszeiterfassung ist ein Problem und vor allem seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes.

Nach dem Artikel der BZ Berlin besteht vor allem die Angst vor einer totalen Überwachung durch den Arbeitgeber. Aber warum denn so ängstlich liebe Berliner? Wenn Ihr die Arbeitszeit einhaltet, dann ist doch alles in Ordnung.

Überlegt doch mal wie großartig es ist, wenn die gesamte Arbeitszeit dokumentiert wird. Klar, es ist auch super, wenn einem der Arbeitgeber vertraut und man kommen und gehen kann, wann man will.

Aber was ist denn dann mit den lieben Überstunden? Habt Ihr schon mal eure persönlichen Aufzeichnungen einem Anwalt vorgelegt und gefragt, ob ihr dann mit diesen Aufzeichnungen eure Überstunden beweisen könnt?

Nach deutscher Rechtsprechung sind diese Aufzeichnungen leider so viel wert, wie das Papier, worauf sich die Aufzeichnungen befinden. Nichts.

Denn die Überstunden müssen dokumentiert werden und zwar vom Arbeitgeber. Eine beweiserhebliche Dokumentation liegt nur dann vor, wenn der Arbeitnehmer beweisen kann, dass der Arbeitgeber die Überstunden angeordnet, gebilligt oder geduldet hat.

Dies erfolgt grundsätzlich auch bei einer Arbeitszeiterfassung mit einem Arbeitszeitkonto. Hat es dann der Arbeitgeber unterlassen, dem Arbeitnehmer weitere Überstunden zu „verbieten“, dann kann mit dem Arbeitszeitkonto der Beweis vollständig gelingen.

ABER! Kaum ein Arbeitsgericht in Deutschland wird eurer Klage stattgeben, wenn ihr eure Überstunden nur mit eigenen, privaten Aufzeichnungen beweisen könnt. Das Ergebnis ist ein teurer Rechtsstreit, ein unglücklicher Mandant und wahrscheinlich ein glücklicher Anwalt.

Und jetzt kommt das Urteil des Europäischen Gerichtshof ins Spiel. Vollaufzeichnung bedeutet, dass eure gesamten Überstunden im Betrieb auf dem Arbeitszeitkonto dokumentiert sind und somit vom Arbeitgeber gebilligt wurden.

Das klingt doch besser, denn damit kann möglicherweise der Nachweis gelingen. Die Arbeitszeit ist dokumentiert, die Erfassung kann man möglicherweise ausdrucken und im besten Fall sind die aufgezeichneten Überstunden auch genehmigt.

Fazit: Auch aus einer Überwachung kann etwas Gutes entstehen. Der Streit vor dem Arbeitsgericht um die Bezahlung der Überstunden endet mit einem glücklichen Mandanten und einem glücklichen Anwalt.

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03.06.2019, Beitrag von Rechtsanwältin für Arbeitsrecht Frau Miruna Xenocrat


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